Schlagwort Partnerschaft

Paartherapie

Paartherapie

Paartherapie in Lippstadt, Kreis Soest.

Die traditionelle „Paarpsychotherapie“ hat ihre Wurzeln in der tiefenpsychologischen, häufig auch in der psychoanalytischen sowie der systemischen Tradition.

Denn den wenigsten Streitenden ist klar, dass die Reaktionsmuster gar nicht aus der aktuellen Partnerschaft stammen, sondern entweder den traumatisierten und traumatisierenden Eltern abgeschaut oder als kindliche Reaktion auf wiederholte seelische Erschütterungen in der Familie erworben wurden. Von daher taugen diese Streitmuster gar nicht zur Konfliktlösung in der bestehenden Partnerschaft, zwingen sich aber wie automatisch auf. Wer mit Zittern und heftigen Körperreaktionen auf Konflikte reagiert, sich ständig rechtfertigen muss, immer der PartnerIn die Schuld für das bestehende Drama gibt, sich Klärungen in entspannter Atmosphäre entzieht und stattdessen dann mit Vorwürfen herausplatzt, wenn das Klima spannungsgeladen ist; wer vielleicht sogar mit Hohn und Spott auf den Kummer der PartnerIn reagiert oder offene Zeichen von Verachtung zeigt – der oder die hat eigentlich fast schon diese Partnerschaft verloren; es sei denn, sie wird mit Gewalt und / oder existenzieller Not zusammengehalten. Und doch scheinen die Kontrahenten keine Lösung in diesen stets wiederkehrenden und häufig komplementären Mustern des Streitens zu finden.

Die komplexen Vorgänge im Gehirn, die in Beziehungen zum Streit führen, haben für traumatisierte Paare einen hohen Erklärungswert. In unser Gehirn ist ein Alarmsystem eingebaut. Die Amygdala hat die Aufgabe, eingehende Sinneseindrücke zu bewerten und zu filtern.

Es ist im weiteren Sinne fatal zu streiten. Jeder, der schon einmal heftig gestritten hat, kennt die nun stattfindende physische Reaktion des kurzen Stresskreislaufes: Das Herz schlägt wie verrückt, dass Blickfeld ist eingeschränkt, die Lunge pumpt, das Sprachzentrum dreht durch. Streitende reden in der Regel „dummes Zeug“. Selten sind die Inhalte, die in diesem Zustand ausgetauscht werden, auf einem höheren Niveau.

Darauf haben wir nur geringen Einfluss, denn das Schutzsystem im Gehirn, der Amygdala wird hormonell gesteuert. Ist die Amygdala der Meinung, es drohe ein Unglück, dann schüttet sie in Sekundenschnelle Stresshormone aus, wie zum Beispiel Kortisol und Noradrenalin. Diese Substanzen befähigen uns, vom Ruhemodus augenblicklich in den Kampfmodus zu wechseln. Aus diesem Grund ist ein Streit fatal und hochgradig destruktiv, was nicht heißt, dass traumatisierte Paare ihn so einfach lassen könnten.

Je schrecklichere Krisen sich aus der Kindheit im Gehirn eingekapselt haben, desto eher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Warnsystem im Gehirn Schaden genommen hat. Es wirkt dann eher wie ein defekter Bewegungsmelder. Stellen wir uns eine Spirale vor: Wird diese zu weit auseinandergezogen, verliert sie für immer ihre elastische Spannung. Umso mehr Stress ein Kind erleben musste, desto stärker wird die Funktion des Warnsystems überstrapaziert. Das Stressverarbeitungssystem ist nicht mehr in der Lage, vor Bedrohungen zu schützen. Eine traumatisierte Person hat vermutlich auch die Fähigkeit eingebüßt, sich gegen Angriffe wirkungsvoll abzugrenzen.

Betroffene können nichts dafür, alles wird von Hormonen gesteuert, wenn es eskaliert. Was nicht bedeutet, dass wir nichts ändern könnten. Doch langsam begreift das Paar, dass Reden oder eine bessere Kommunikation nicht wirklich hilft. Wenn der Stresskreislauf angetriggert wird, dies konnte man mithilfe von bildgebenden Verfahren bei der Erinnerung an extreme Krisen nachweisen.

Man kann sich nicht vornehmen, ruhiger zu reagieren: Das liegt außerhalb des Entscheidungsspielraums, solange das Gehirn Stresshormone ausschüttet. Dass Streit Stress verursacht, Stress zur Eskalation beiträgt, die Eskalation Stresshormone ausschüttet und damit wiederrum den Streit anheizt.

Um einzuschätzen, ob den Beziehungskrisen eine komplexe traumatische Belastungsstörungen aus der Kindheit bzw. eine daraus resultierende Persönlichkeitsstörung zugrunde liegt, ist es hilfreich, die Kriterien einer gesunden Beziehung und seelisch reifer Partner voranzustellen.

Anzeichen einer gesunden Beziehung: In einer intakten und entwicklungsfähigen Partnerschaft gibt es eine ausgewogene Balance zwischen Nähe und Kommunikation. Gefühle können angemessen zum Ausdruck gebracht werden, was dafür sorgt, dass unzumutbare Einschränkungen oder Belastungen zum Positiven verändert werden. Jeder der beiden Beziehungspartner stellt sich emotional, empathisch und dennoch als eigenständig abgegrenzte Person auf den anderen ein. Jeder kann zwischen den eigenen Bedürfnissen und Wünschen sowie den Absichten und Hintergründen des Partners unterscheiden.

Es besteht die Fähigkeit, gemeinsam Entscheidungen und Absprachen auszuhandeln und diese auch zuverlässig einzuhalten und für das Eigene beharrlich und ruhig einzutreten. Jeder kann über sein Verhalten, seine inneren Motive und empfundenen Unstimmigkeit reflektieren. Der Partner wird als eigenständiges Wesen mit Empfindungen, eigener Geschichte, Antrieben, Begabungen und erworbenen Mustern angesehen. Der Kontakt zum Körper, zu Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen ist lebendig und flexibel. Beide sind in der Lage, sich selbst und den anderen realistisch und zutreffend einzuschätzen. Die Belange des anderen gegenüber und die eigene Entwicklung werden in einem ausgewogenen Verhältnis berücksichtigt.

Die Beziehung wird als Quell von Wachstum und Herausforderung angesehen. Ebenso besteht die Bereitschaft, Grenzen zu setzen oder gar die Partnerschaft aufzukündigen, wenn die entwicklungsfördernde Basis auf Dauer gefährdet oder zukünftig nicht mehr vorhanden ist.

Traumazenrierte Beziehungsmuster führen zu Störungen der emotionalen Reaktion, zu intensiven Krisen in der Partnerschaft, impulsiven Ausbrüchen, selbstverletzendem Verhalten, Schlaf- und Essstörungen, Kopfschmerzen, Selbsthass, Schuldgefühlen, Hilflosigkeit und zum Verlust autonomen Handelns.

Vor allem ist jedoch die Sexualität betroffen, da traumatische Erfahrungen in einer Region des Gehirns gespeichert werden, in der auch die neurovegetativen Prozesse gesteuert werden. Diese Beschreibung über das Erleben eines Menschen mit einer traumazentrierten Bindungsstörung trifft vor allem auf Streit-Paare zu:

,,Die Objektbeziehungen sind am ehesten als infantil, egozentrisch, fordernd und ausbeutend zu beschreiben, manchmal einhergehend mit extremer Passivität, unreifer Überidealisierung und Unterwerfung, Letzteres kann von Wut und Ärger begleitet sein“ (Abend, Porter & Willick 1994, S. 75).

Die Schwere der Traumatisierung in der Herkunftsfamilie kann entweder zu einer fragmentierten (in mehrere innere Anteile aufgespaltenen) inneren Bindung an eine Bezugsperson führen oder diese Bindung gänzlich zerstören. Insbesondere schwere emotionale und körperliche Vernachlässigung oder Gewalt und Missbrauch können einen regelrechten Zusammenbruch des inneren Bindungsmusters bewirken. Der Widerspruch zwischen der Sehnsucht nach Nähe, Versorgung und harmonischer Beziehung und dem diesem Wunsch entgegenstehenden Bedürfnis nach Eigenständigkeit, Distanz bzw. die Angst vor Vereinnahmung verdeutlichen den seelischen Konflikt.

,,Wenn ich mich ganz auf einen anderen Menschen einlasse, werde ich über kurz oder lang enttäuscht, die dann entstehende Trennungsangst oder den Trennungsschmerz kann ich nicht aushalten. Aus diesen Gründen habe ich Abwehrmöglichkeiten entwickelt, die Beziehung zu anderen niemals so intensiv werden zu lassen, dass ich von dieser Beziehung abhängig werden könnte“ (Mertens 1992, zitiert in Brisch 2010, S. 113).

Auch Karl Heinz Brisch (2010, S. 111) beschreibt die Folgen, die ein traumatisierendes Lebensumfeld auf die Beziehungsfähigkeit eines Menschen haben kann: „Traumatische Erfahrungen zerstören die Bindungssicherheit und wirken sich besonders zerstörerisch auf die gesunde psychische Entwicklung aus, wenn das Trauma durch die Bindungspersonen ausgeübt wird. Schwerwiegende psychopathologische Entwicklungen mit Bindungsstörungen als einer grundlegenden Hauptsymptomatik sind die Folge, die Teil einer umfassenden schweren Persönlichkeitsstörung sind, wie dies von Borderline-Persönlichkeitsstörungen und schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörungen bekannt ist.“

In einer Partnerschaft wird stets beides aktiviert: das Bedürfnis nach Bindung und die Angst vor Abhängigkeit und Verletzlichkeit. Menschen mit Beziehungswunden fällt es schwer, Beziehungen oder andere Personen realistisch einzuschätzen oder zu beschreiben. Eine Partnerschaft ist ihnen oft nur dann möglich, wenn sie den Partner kontrollieren. Das nimmt ihnen teilweise die Angst.

Ich berate Sie gerne dazu in einem Erstgespräch